Antonio PizzirussoAllgemein, HypnosetherapieKommentar schreiben

Weshalb unsere Sinne vergangene Gefühle aufleben lassen

Ein Geruch und Du bist blitzschnell zurück in Deiner Kindheit? Ein Musikstück und Du denkst an etwas schönes? Oder umgekehrt, ein Gefühl und sofort erinnerst Du Dich an etwas bestimmtes, eine Lebensphase, eine Situation? Hast Du Dich nie gefragt weshalb? In diesem Blog widme ich mich genau dieser Fragestellung.

Der Ursprung der meisten Abläufe in unserem Langzeitgedächtnis liegt im sogenannten episodischen Gedächtnis. Anatomisch betrachtet sind in unserem Gehirn der Hippocampus, der Frontallappen sowie auch der Temporallappen beim Abruf eines abgespeicherten Gedankens beteiligt.

Erlebnisse werden in Sekundenbruchteile vom Gehirn verschlüsselt und abgespeichert. Wie wichtig diese abgespeicherten Informationen sind, hängt vom Urteil ab, dass unser Unterbewusstsein darüber gefällt hat. Es bestimmt somit über den Umfang und den Einfluss auf unser heutiges Empfinden und Verhalten.

Sinnesorgane (Tastsinn, Sehen, Hören, Riechen und Schmecken) sowie Gedanken können bestimmte Gefühle auslösen. Ich sage oft, unsere Gefühle werden getriggert.

Vielleicht kennst Du aus meinen früheren Blogs folgende Definition:

Situation + Gefühl = Erlebnis und Programmierung

Wenn sich also das persönliche Erlebnis in einer bestimmten Situation oder Lebensphase nachträglich verändert, so verändert sich auch das damit abgespeicherte Gefühl oder die damit verbundene Emotion.

Gelebte Erfahrungen bilden in unserer Wahrnehmung eine Art Filter. Dieser Filter ist bei jedem Menschen anders. Das erklärt teilweise, weshalb Menschen in der gleichen Situation nicht immer die gleichen Gefühle leben. So haben bei weitem nicht alle Angst vor Hunden, Höhenangst oder leiden unter einer sozialen Phobie. Jeder Mensch hat eben eine andere Wahrnehmung, eine andere Perspektive auf die Dinge die ihn umgeben.

Wie werden Erlebnisse und Gefühle abgespeichert?

Zugegeben, ein Neurologe könnte das treffender erklären. Ich erkläre es immer so, dass Anteile eines Gefühls in Netzwerkartige Speichereinheiten (Synapsen) abgespeichert werden. Sobald wir Informationen verarbeiten, verändern sich diese Speicher fortlaufend. Diese Anteile wurden oft zu verschiedenen Zeitpunkten und in verschiedenen Situationen kreiert. Vergleichbar wie Dateien, die in verschiedenen Sektoren einer Festplatte abgespeichert wurden. Kurzum: Es ist die Verkettung von Gefühlen und Ereignissen, welche unser heutiges Verhalten beeinflussen. Oft nützt es deshalb wenig, nur aufgrund der gegenwärtigen Situation auf das eigene Verhalten zu schliessen.

Unabhängig davon werden Verhaltensmuster auch genetisch vererbt. Was wiederum bedeutet, dass ein Symptom nicht zwingend aus persönlichen Erfahrungen stammen muss.

Meine Erfahrung im Umgang mit persönlichen Erlebnissen

Da das Unterbewusstsein selten ein offenes Buch ist, braucht es Erfahrung und Menschenkenntnis. Und um es vorwegzunehmen: Ich lerne mit jedem Klienten dazu, weil Menschenkenntnis nur bis zu einem bestimmten Level erlernbar ist.

Oft scheitert es an der falschen oder gar fehlenden Behandlung des Symptoms – ich bin überzeugt, dass viele Therapeuten dieses Phänomen nur zu gut kennen. Nehmen wir hier als Ausganglage mein Spezialgebiet: Ängste, Panikattacken und Phobien. Aus zahlreichen Erfahrungen in den verschiedensten Hypnosesitzungen gibt es hier mehrere Stolpersteine die sich einem Therapeuten (und dem Klienten) in den Weg stellen, wenn ein Symptom erfolgreich behandeln werden soll:

  • Das falsche Gefühl wird behandelt. Angst ist oft nur ein Symptom. Denn Angst besteht aus Anteilen wie z.B. Scham, Trauer, Schuld oder Enttäuschung. Werden diese nicht erkannt und behandelt, bleibt die Angst weiterhin bestehen, wenn auch in abgeschwächter Form.
  • Davon ausgehen, dass nur eine Situation prägend war für das programmierte Gefühl. Das muss nicht sein. Bei Panikattacken erlebe ich oft, dass es verschiedene Situationen mit ähnlichen Erlebnissen waren, die eine spätere Panikattacke erst ermöglichen. Ein Grund dafür, weshalb sich Panikattacken oft erst ab dem 20 Altersjahr entwickeln und uns erst dann sozusagen Bewusst werden.
  • Das Unterbewusstsein hat eigene Ansichten und fällt entsprechend eigene Urteile über bestimmte Geschehnisse – diese sind für den Klienten und Therapeuten nicht immer logisch und nachvollziehbar. Ein Beispiel: Ein Versteckspiel im Dunkeln kann zwar lustig sein, für das Unterbewusstsein eines 5 jährigen Jungen ist es aber vielleicht nicht, was sich erst später in Form von Ängsten manifestiert.
  • Die verantwortlichen Gefühle offenbaren sich nicht. Das Unterbewusste gibt sie in Hypnose nicht Preis. Gründe dafür sind:
    • Mangelndes Vertrauen des Klienten zum Therapeut  (deshalb ist das Vorgespräch so wichtig)
    • zuwenig Hypnosetiefe (zu fest im Ego und im Ratio)
    • Mangelndes Fingerspitzengefühl oder zu forsches Vorgehen
    • Der Selbstschutz des Unterbewusstseins blockt ab (schmerzhafte oder traurige Erlebnisse werden tendenziell verdrängt)
  • Das Gefühl wird nicht ausreichend behandelt und abgeklärt. Hierfür gibt es Techniken um sicherzustellen, ob allenfalls alte Gefühle, Emotionen oder Glaubenssätze wirklich komplett gewandelt wurden.

Abschliessend sei noch folgendes gesagt: Im Grossen und Ganzen handelt es sich um Persönlichkeitsentwicklung. Vielfach verändert der Mensch mit seinen Ansichten nicht nur sein Verhalten sondern entdeckt somit auch neue Wege und Chancen die das Leben bietet. Nicht selten verändert sich der Umgang mit Mitmenschen oder sogar das übliche Umfeld indem man bisher eingebettet war. Ein schönes Geschenk, wenn man denkt, dass ursprünglich meist alles mit Unwohlsein und innerer Unruhe begonnen hat.

Über den Autor
Antonio Pizzirusso

Antonio Pizzirusso

Ich habe das Glück, dass ich als Hypnosetherapeut sowohl meine persönlichen Stärken wie Intuition und Empathie, als auch meine Leidenschaft mit der Hypnose leben kann. Darum schreibe ich auch diesen Blog und versuche Interessierten das Thema Hypnose näher zu bringen.

Fandest Du den Artikel lesenswert? Teile ihn mit deinem Netzwerk:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.